Der Bundesrat hat die neuen Krankenkassenprämien bekanntgegeben: Im Kanton St.Gallen steigen sie 2026 um durchschnittlich 3.7%. Also ein weiteres Jahr, in dem die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. Familien stehen mit dem Rücken zur Wand. Im Jahr 1996 betrug die durchschnittliche Prämie rund CHF 128.- pro Monat. Seit der Einführung der obligatorischen Krankenversicherung 1996 ist die mittlere Krankenkassenprämie im Kanton St.Gallen somit um mehr als 200% angestiegen. Zugegeben: Innovation kostet, sorgt für Gesundheit und ermöglicht uns das Älterwerden. Dass sich die Entwicklung der Prämien komplett von der Lohnentwicklung entkoppelt hat, muss uns aber beunruhigen.
Was wir als Prämienzahler tun können
Wir sind (noch) nicht machtlos. Wer seine Krankenkasse rechtzeitig bis Ende November wechselt, kann mehrere Hundert Franken pro Jahr sparen. Auch die Wahl einer höheren Franchise oder eines Telmed-Modells reduziert die Kosten spürbar. Des Weiteren bremst ein verantwortungsbewusster Gang zum Arzt die stetige Mengenausweitung. Jede und jeder hat also Handlungsspielraum aber eben nur in den Details, nicht beim eigentlichen Problem.
Politisches Versagen seit Jahren
Jahr für Jahr wird über die Kostensteigerung diskutiert. Anstatt echte Reformen anzupacken, versteckt sich die Politik hinter Symptombekämpfung und der Wiederwahl. Populistische Diskussionen um eine staatliche Einheitskasse, einkommensabhängige Prämien oder etwaige Lohndeckel von Krankenkassen-Manager lösen die Probleme nicht. Resultat: mehr Bürokratie, höhere Verwaltungskosten und eine Reformblockade.
Was es jetzt braucht
Es heisst, die Schweiz hätte eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Es fehlt aber nicht nur eine effiziente Organisation, sondern auch eine resultatbasierte Abrechnung. Wir brauchen:
- Mehr Wettbewerb statt Einheitslösungen: Krankenkassen und Leistungserbringer müssen stärker in Preis-Leistung konkurrieren. Statt bundesrätliches Tarifdiktat braucht es Spielraum für innovative Versicherungsmodelle, die Leistungen bündeln, Anreize schaffen und dadurch die Kosten tief halten.
- Klare Kostentransparenz: Heute wissen wir vorab nicht, was eine Behandlung kostet. Es braucht transparente Preislisten bei Spitälern und Ärzten, um den Druck auf überteuerte Leistungen zu erhöhen sowie Vergleiche tätigen zu können.
- Digitale Prozesse: Weniger Papier, weniger Verwaltung, mehr Effizienz. Mit durchgängiger Digitalisierung (E-Rezepte, elektronische Abrechnung, digitale Patientendossiers) könnten Millionen eingespart werden. Zudem verhindern standardisierte Schnittstellen Doppelspurigkeiten zwischen Ärzten, Apotheken und Krankenkassen.
- Eigenverantwortung stärken: Wer immer sofort zum Arzt geht, belastet das System unnötig. Wer Leistungen beansprucht, soll deren Kostenanteil spüren. Zudem sparen gezielte Prävention und Gesundheitsförderung langfristig mehr als sie kosten. Wer das System nicht belastet, soll entsprechend belohnt werden.
- Politische Ehrlichkeit: Statt stimmenfangende, kurzfristige Pfästerlipolitik (z.B. Prämienverbilligungen ohne Strukturreform) braucht es Mut zu echten Einschnitten. Wer es ernst meint, muss endlich die Interessen der Steuer- und Prämienzahler über die Interessen der Lobbys stellen.
- Bezahlung von Resultaten statt Konsultationen: Heute wird jede Behandlungseinheit bezahlt, egal ob sie wirkt oder nicht. In Zukunft muss gelten: Entlöhnt wird das Ergebnis, nicht der Aufwand. Das schafft Anreize für nachhaltige, wirksame Therapien und verhindert unnötige Konsultationen.
- Regionale Spitalplanung & bessere Vernetzung der Player: Heute plant jeder Kanton weitgehend für sich, mit Doppelspurigkeiten und teuren Überkapazitäten. Nötig ist eine kantonsübergreifende Spitalplanung, die Ressourcen bündelt und Spezialgebiete sinnvoll verteilt. Hausärzte, Apotheken, Spitäler und Spezialisten müssen stärker aufeinander abgestimmt werden, sodass Behandlungen nahtlos ineinandergreifen. Das senkt Kosten, steigert Qualität und entlastet die Prämienzahler nachhaltig.
Die steigenden Krankenkassenprämien sind kein Naturgesetz. Sie sind Folge von jahrzehntelangem politischem Zögern und der Angst, echte Reformen anzupacken. Wenn wir nicht handeln, können wir unser Gesundheitssystem irgendwann nicht mehr leisten!